Techstars Startup Week Tallinn – Eine Übersicht

5 Tage – 62 Veranstaltungen – Über 3000 Besucher. 2018 war die größte Veranstaltung, der seit 2015 stattfindenden Startup Week in Tallinn. Initiiert wird die Startup Week von Startup Estonia und Techstars. Startup Estonia ist eine, von der Regierung unterstützte, Initiative, welche das Ziel hat bis 2020 ein in sich nachhaltiges Startup Ökosystem zu kreieren. Techstars ist ein amerikanischer Seed Accelerator, der über 1000 Startups unterstützt hat, welche eine Marktkapitalisierung von etwa 10 Mrd.$ erzielt haben. Techstars unterstützt dabei nicht nur die Startup Week in Tallinn, sondern auch ähnliche Veranstaltungen an 75 Standorten weltweit.

Drei Veranstaltungsreihen für verschiedene Zielgruppen

Die Startup Week wurde in drei verschiedene Veranstaltungsreihen (Tracks) aufgeteilt:

  1. Future Founders: Dieser Track war an alle Schüler und Studenten gerichtet, die sich noch nie mit Entrepreneurship befasst haben. Die meisten Veranstaltungen aus der Reihe waren auf Estnisch. Es gab unter anderem einen Robotik Workshop und ein Business Plan Seminar. 
  2. Tech meets Tallinn: In dem Track haben sich etablierte Startups aus Tallinn der Öffentlichkeit präsentiert und beispielsweise ihre Gründungsgeschichte erzählt oder eine Tour durch die Büros gegeben. Unter anderem haben hier Taxify, Twilio und Jobbatical teilgenommen.
  3. Startup Superpowers: Beim Startup Superpowers Track drehte sich alles um den Austausch von Branchenwissen und Hands-On Erfahrungen der einzelnen Startups. Die Events befassten sich unter anderem mit rechtlichen Herausforderungen im Umgang mit Daten, Wachstumsstrategien oder auch Google Ads Strategien.

Parallel zur Startup Week fand eine Messe in einem der beliebtesten Einkaufszentren von Tallinn statt, bei der Business-to-Consumer (B2C) Startups die Möglichkeit hatten, Ihre Produkte potentiellen Endkunden zu zeigen.

Über 300 Millionen für estnische Startups

Zur Eröffnungsfeier in Telliskivi, dem größten Startup Viertel der Stadt, kam auch Rene Tammsit, Minister für Entrepreneurship und Informationstechnologie in Estland. Getreu dem Motto der Opening Party “earliest or coolest startup Shirt”, trug er ein altes Skype T-Shirt, dem bekanntesten Unternehmen aus Tallinn. Seine Rede spiegelte wider was sich gerade in Tallinn abspielt: In dieser Stadt entwickelt sich etwas. Bisher wurden in 2018 über 325 Millionen Euro in estnische Startups Investiert (2017: 270 Mio; 2016: 105 Mio;). Allem voran hat der 155 Millionen Euro Deal zwischen der deutschen Daimler und dem Uber Konkurrenten “Taxify” einen großen Anteil auf das 325 Millionen Euro hohe Investitionsvolumen. Durch die Investitionen, die in Estland getätigt wurden, konnten weltweit 5.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch die Lohnsteuern, welche die estnische Regierung durch Startups einnimmt, steigt seit 2015 Jährlich um 30% (2017: 37 Mio. €).

Demographie - Jung, Weiblich, International

In München habe ich viele Startup Veranstaltungen besucht, deswegen war es sehr erfrischend die Unterschiede kennenlernen zu dürfen. Das Industrie und B2B lastige München hat beispielsweise sehr wenig weibliche Teilnehmer bei seinen Veranstaltungen. Bei der Startup Week hingegen schwankte der Anteil von Frauen zwischen 40-60%. Selbst bei Veranstaltungen, die besonders im deutschsprachigen Raum, stark männerlastig sind, wie zum Beispiel beim Event von Creditinfo über Fintechs oder der Vorstellung des Inkubators der European Space Agency (ESA). 

Der zweite Unterschied ist, dass die Startup Szene sehr jung ist. Wie der Deutsche Startup Monitor zeigt, haben ein Fünftel der Gründer in Deutschland 15 oder mehr Jahre Berufserfahrung. In Tallinn habe ich deutlich mehr Gründer getroffen, die direkt nach oder während Ihres Studiums gegründet haben. Der letzte Punkt mag im Vergleich zwischen Berlin und Tallinn nicht zutreffen, jedoch ist dies im Vergleich zu München auffällig: Tallinn hat eine viel stärkere internationale Ausrichtung. Jedes Event aus den beiden Tracks “Tech meets Tallinn” und “Startup Superpowers” fand auf Englisch statt. Dazu spricht jeder sehr sicheres Englisch.

Mein Resümee

Ich habe in den 5 Tagen ca. 70 verschiedene Pitches von Gründern aus allen möglichen Branchen gehört. Die meisten davon haben sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Mobilität beschäftigt. Die Themen werden auch in den Hackathons des Co-Working Spaces SpringHub aufgegriffen. Im Oktober fand der CleanTech Hackathon in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium statt, welcher sich mit Recycle Lösungen für Tallinn beschäftigt hat. Am Wochenende nach der Startup Week fand dazu noch ein Mobility Hackathon statt um neue Mobilitätslösungen für Tallinn zu finden. Neben DeepTech, sind CleanTech und Mobilität wahrscheinlich die Branchen der nächsten Jahre in EstlandIch selbst, konnte in diversen Workshops zu Google Ads, Intellectual Assets oder zur Zahlungsdiensterichtlinie 2 (Abkürzung PSD2 von englisch: Payment Services Directive 2) einiges für mich selber lernen.

Was würdet Ihr gerne über Estland und die Startup Szene wissen?

Quellen und weiterführende Links:

An folgenden Events habe ich teilgenommen:
Techstars Startup Week Opening Party
“I need more Space” ESA Business Incubation Program
Google Ads & Analytics
Networking Night #25 with Gunter Pauli
The Pitch – a great startup show
Intellectual Property Workshop by ClearViewIP
StartupWeek Tallinn Expo
City Challenge on Biowaste
Pitch Hack: Final Event
Why your Fintech Idea sucks
Anxiety-free Public Speaking
Startup Talks with Fractory
Relocateme.co morning meetup
Hybrid reality: new perspectives
Techstars Startup Week Final Party

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